Äußere Merkmale erkennen – einfach, normiert und zerstörungsfrei
Die Sichtprüfung ist das grundlegende Verfahren der zerstörungsfreien Prüfung und basiert auf der gezielten visuellen Beurteilung von Bauteiloberflächen. Ziel ist es, sichtbare Abweichungen von definierten Qualitätsmerkmalen zu erkennen und systematisch zu bewerten.
Je nach Prüfanforderung erfolgt die Prüfung direkt mit dem menschlichen Auge oder unter Verwendung optischer Hilfsmittel wie Lupen, Endoskopen, Videoskopen oder Technoskopen. Entscheidend ist dabei eine normgerecht definierte Prüfbeleuchtung sowie Vergrößerung, die eine reproduzierbare Erkennbarkeit von Oberflächenmerkmalen gewährleistet. Parameter wie Beleuchtungsstärke, Betrachtungswinkel und Prüfentfernung werden entsprechend den geltenden Spezifikationen festgelegt.
Während der Prüfung wird die Bauteiloberfläche systematisch kontrolliert. Bewertet werden beispielsweise Oberflächenbeschaffenheit, Beschädigungen, Risse, Poren, Verunreinigungen oder Montagezustände. Die Beurteilung erfolgt anhand festgelegter Fehlerkataloge, Zeichnungen, Grenzmuster oder Kundenspezifikationen.
Bei schwer zugänglichen Bereichen kommen indirekte Verfahren zum Einsatz, etwa durch optische Verlängerung mittels Endoskopie. In sicherheitsrelevanten Anwendungen kann die Sichtprüfung zudem durch fotografische Dokumentation oder digitale Bildauswertung unterstützt werden.
Die Sichtprüfung ermöglicht eine unmittelbare Bewertung des Bauteilzustands ohne Eingriff in das Material. Sie bildet häufig die erste Prüfstufe im Rahmen eines Prüfkonzepts und ergänzt andere zerstörungsfreie Verfahren, indem sie offensichtliche Oberflächenmerkmale schnell und effizient identifiziert.

