Oberflächenoffene Fehler zuverlässig sichtbar machen
Die Farbeindringprüfung basiert auf der physikalischen Eigenschaft niedrigviskoser Flüssigkeiten, die durch Kapillarwirkung in sehr feine, zur Oberfläche hin geöffnete Strukturen eindringen. Voraussetzung für eine zuverlässige Prüfung ist eine gründliche Reinigung der Bauteiloberfläche, da Verunreinigungen das Eindringen des Prüfmittels behindern können.
Nach der Vorreinigung wird ein geeignetes Eindringmittel gleichmäßig auf die Oberfläche aufgebracht. Dieses besitzt eine hohe Benetzungsfähigkeit und dringt während einer definierten Einwirkzeit in oberflächenoffene Risse, Poren oder andere Fehlstellen ein. Die Dauer der Eindringzeit richtet sich nach Werkstoff, Oberflächenzustand und erwarteter Fehlstellenart.
Im Anschluss wird das überschüssige Eindringmittel sorgfältig von der Oberfläche entfernt, ohne das in den Fehlstellen befindliche Prüfmittel auszuspülen. Dieser Reinigungsschritt ist entscheidend für die Qualität der späteren Anzeige.
Darauf folgt das Aufbringen eines Entwicklers. Der Entwickler wirkt kapillaraktiv in umgekehrter Richtung: Er zieht das in der Fehlstelle verbliebene Eindringmittel wieder an die Oberfläche zurück. Dabei entsteht eine deutlich sichtbare Anzeige mit hohem Kontrast zur Bauteiloberfläche. Form und Verlauf dieser Anzeige entsprechen der Geometrie der Fehlstelle.
Je nach Prüfanforderung kommen sichtbare (Rot-Weiß-Verfahren) oder fluoreszierende Eindringmittel zum Einsatz, die unter UV-Licht ausgewertet werden. Die Bewertung erfolgt visuell anhand von Form, Länge, Lage und Ausprägung der angezeigten Fehlstelle.
Die Farbeindringprüfung eignet sich für metallische und nichtmetallische, nicht poröse Werkstoffe und ermöglicht eine zuverlässige Erkennung sehr feiner, oberflächenoffener Fehlstellen – zerstörungsfrei und unabhängig von magnetischen oder elektrischen Materialeigenschaften.

